Während in der westlichen Medizin die primären Ursachen der Hypertonie vor allem in der genetischen Veranlagung, Ernährung (zu viel Salz, Zucker, Fett, Alkohol), Übergewicht, Stress und dem Verlust der Elastizität der Blutgefäße liegt, gibt es in der TCM durchaus ganzheitlichere Ansätze. Natürlich gibt es viele Parallelen was die Lebensweise und Ernährung anbelangt und auch die Qualität des Blutes und der Gefäße (damit auch die Herztätigkeit) spielt eine große Rolle.

Möchte man die einzelnen Ursachen für hohen Blutdruck aufschlüsseln sehen wir auch hier eine gewisse Übereinstimmung.

Sehen wir uns einmal die wichtigsten klassischen Rezepturen für die Behandlung von Hypertonie an: Diese kann man verschiedene Gruppen einteilen:

Stress: Bei Stress blockiert die Leber/Gallenfunktion und die Wirkrichtung der Organe richtet sich plötzlich von "nach unten" nach oben und außen. Wir sprechen von stagniertem Minister-Feuer das die oberen Organe funktionell stören. Es kommt zu Kopfschmerzen, Ohrgeräusch, frühes Erwachen, Einschlafstörungen, Palpitationen, Entzündungen im Rachen und Mundraum sowie zu Reflux und schmerzen im Oberbauch. Hier ist der Blutdruck vorwiegend schwankend. Man spricht von Blutdruck-Krisen. Die bekannteste Rezeptur für diese Art von Hypertonie ist Xiao Chai hu Tang oder eine der Rezepturen aus der Chai hu - Familie.

Schleim: Der Blutdruck kann sich verändern, wenn das „Erde-Element“ zu feucht oder zu „schleimig“ wird und sodann ebenfalls nicht weiter „nach unten“ arbeiten kann. Eine Erde-Blockade wird durch begleitende Verdauungsstörungen sichtbar. Durchfall, Verstopfung, schlechtes Entleerungsgefühl, aufstoßen, Sodbrennen, Hitzegefühl im Rachen und Mundraum, Aphten, roter Kopf (Alkohol?), Durst, schlechter Mundgeschmack, Schlafstörungen und Brainfog können das Syndrom begleiten. Hier ist oder kann auch der zweite Wert (diastolische Blutdruck) hoch sein. Die wichtigsten Rezepturen für diese Gruppe sind aus der Xie Xin Tang – Familie. Z.B. Ban xia xie xin Tang oder Gan cao xie xin Tang. Hier ist besonders eine Ernährungsumstellung notwendig.

Erschöpfungssyndrom: Wenn sich der Mensch über zu lange Zeit „auszehrt“ entstehen sogenannte Separationsprozesse im Körper. Das Yang (das Feinstoffliche) hat die Tendenz nach oben zu entweichen. Das Yin (das Stoffliche, die Materie) hat die Tendenz nach unten zu entweichen. Dazwischen entsteht ein Mangel an Lebensenergie, Fatigue-Syndrom mit vielen dazugehörigen Symptomen wie Einschlafstörungen, wilden Träumen, Erektionsproblemen, mangelnde Libido, Depressionen, starke Unruhe und andere psychische Erkrankungen. Durch das aufsteigende Yang wird das „Herz“ beunruhigt und das Blut wird „wild“. Dafür eigenen sich Rezepturen aus dem Kap. 6 des Jin Gui Yao Lue (konsumierende Erkrankungen) wie Xiao Jian Zhong Tang + Long Gu und Mu Li oder Gui zhi jia Long Gu Mu Li Tang oder Tian Xiong San.

Wasserstörung: Herz-Insuffizienz kann zu einer Reihe von Begleit-Syndromen wie Nykturie, Harntröpfeln, Beinödeme, chronische Niereninsuffizienz, Bluthochdruck / Arterielle Hypertonie, Hypothyreose, Bradycardie, Durchfall, Übergewicht und Müdigkeit führen. Hier überschwemmt das Wasser das Feuer-Element im Körper und aus Kompensation entsteht der erhöhte Blutdruck. Diese Art des Blutdrucks wird meist mit Rezepturen aus der Fu zi – Familie behandelt, allen voran mit Zhen Wu Tang. Die Strategie ist das Herz zu stärken und das Wasser auszuscheiden. Gleichzeitig benötigen diese Menschen ein wärmende, trocknende Ernährungsform.

Substanzmangel: Das schwache Wasserelement, wovon hier gesprochen wird gehört eigentlich auch zu einem Erschöpfungssyndrom oder einer „konsumierenden Krankheit“. Hier ist es aber keine Yin-Yang Separation, sondern das Unvermögen der „Nieren“ den Wassermetabolismus und damit die Befeuchtung des Körpers aufrechtzuerhalten. Wir sehen hier Begleitsymptome wie Diabetes, Prostatabeschwerden, unruhige Beine, Unruhe, Hitzewallungen, LWS-Schmerzen, Schilddrüsenerkrankungen, Restharnbildung und Urinstörungen aller Art. Yin und Yang sind geschwächt und die Herz- und Nieren-Achse gestört, somit kann es auch hier zu Blutdruck kommen. Hier empfiehlt sich die Shen Qi Wan.

Wind: Wind-Erkrankungen behandeln die JueYin-Schicht der TCM und gemeint sind vorwiegend Leber und Pericard. Durch Blut-Trockenheit entsteht Wind der die Umgebung des Herzens erhitzt. Dabei entsteht innere Unruhe, Kältegefühle, Absencen, Brustschmerzen (Druckgefühl), Beklemmung oder psychovegetative Symptome, unstillbarer Durst, Palpitationen, Essstörungen, Allergien, Übelkeit und Durchfall. Jueyin-Erkrankungen sind schwer zu verstehen und werden selten erkannt. Schon in den Klassikern wurde die atypische Symptomatik beschrieben:

„Im Jueyin herrscht Umkehr: Was kalt ist, wird heiß, was heiß ist, wird kalt; was hungrig macht, nimmt den Appetit; was nährt, wird erbrochen.“ (frei nach Shanghan Lun)

Die Lösung hier könnte die Wu Mei Wan (Pille) sein. Der erhöhte Blutdruck ist hier, sowie in vielen anderen beschriebenen Störungen „nur“ ein Nebenschauplatz der aber auch gefährlich hoch werden kann.

Trockenheit: Blut-Trockenheit kann nicht nur, wie vor beschrieben zu einer Umkehr-Symptomatik führen, sondern auch zu unkontrollierten Bewegungen des Blutes. Hier ist (auch wie vor) das Blut „kalt“ aber die Hitze ist oben im Körper und es entsteht Blutstase. Es kommt zu schweren Schlafstörungen, Unruhe und Energieverlust, Nachtschweiß und sehr seichter Schlaf, die Haut und die Augen sind Trocken, selbst die Schleimhäute (besonders Vaginal) sind trocken. Es kann zu Schmierblutungen und Menorrhagie kommen. Vermutlich steigt der Blutdruck durch die wenig elastischen Blutgefäße und dem unkontrollierten Blut. Abhilfe schaffen könnte hier das Patent-Rezept namens Wen Jing Tang aus dem Kapitel der Frauenheilkunden des Jin Gui Yao Lue. Ähnlich verhält es sich mit der Rezeptur Zhi Gan Cao Tang. Nur sind die Symptome anders gelagert. Hier entstehen mehr direkte Herz-Erkrankungen wie Anämie, koronare Herzerkrankung, Arrhythmie, Hyperthyreose, Zeichen und Symptome von Yin und Blutmangel, Kopfschmerzen. Mit dem süßen Geschmack dieser Kräuter wird versucht das Herz wieder zu kühlen und zu befeuchten.

Darüber hinaus gibt es noch einige vereinzelte andere Ursachen für hohen Blutdruck, etwa ein reines Blutstase-Syndrom wo altes, schlechtes Blut aus dem Körper entfernt werden muss. Hier sollte man Rezepturen mit Da huang oder Shui zhi verwenden.

Weitere interessante Informationen zum Thema Bluthochdruck und alternativen Therapiemethoden sowie Ernährungsempfehlungen finden sie auf: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/krankheiten/herz-kreislauf-erkrankungen/bluthochdruck-uebersicht/bluthochdruck-senken