"Den materiellen Werten wird zu viel Bedeutung beigemessen. Sie sind wichtig, aber sie können unseren phychischen Stress, unsere Furcht, Wut oder Frustration nicht verringern. Wir müssen jedoch unsere mentalen Belastungen, wie zum Beispiel Stress, Ängste, Frustrationen, überwinden. Deshalb brauchen wir eine tiefere Ebene des Denkens. Das verstehe ich als Achtsamkeit, also das tiefgründige Denken und Fühlen, und das ist hier sehr wichtig.

Achtsamkeit ist unabhängig davon, ob jemand gläubig oder ungläubig ist. Das spielt keine Rolle, wir sind alle nur Menschen, mit den gleichen Gefühlen und einer ähnlichen Intelligenz. Einige unserer Gefühle sind sehr, sehr zerstörerisch. Sie zerstören nicht nur den Seelenfrieden, sondern schlussendlich auch unsere Gesundheit. Wissenschaftler haben herausgefunden, das Seelenfrieden für die Gesundheit überaus wichtig ist. Diesen Wissenschaftlern zufolge fressen Zorn, Hass, und Angst unser Immunsystem auf. Deshalb ist ein ruhiger Geist so außerordentlich wichtig. Wir sollten analysieren: Was ist gut für unsere Gesundheit, was ist schädlich? Dann gilt es, unser Wissen zu sortieren: Dies ist gesund, dies ist schädlich. Ähnliches gilt für unsere Emotionen, manche sind gut für unsere Gesundheit und unseren Seelenfrieden. Andere Emotionen sind sehr destruktiv.

Durch Meditation und Nachdenken können wir zum Beispiel lernen, das Geduld das wichtigste Gegenmittel gegen die Wut ist, Zufriedenheit gegen Gier wirkt, Mut gegen Angst, Verständnis gegen Zweifel. Zorn über andere hilft wenig, stattdessen sollten wir zusehen, dass wir uns selbst ändern.
Das, so bin ich überzeugt, gilt für alle sieben Milliarden Menschen, nicht nur für Gläubige, sondern auch für Atheisten."

Auszug aus dem aktuell erschienen Büchlein: Der Appell des Dalai Lama an die Welt.